Mikroorganismen beeinflussen Krebstherapie

Sogenannte Checkpoint Blocker werden in der Krebstherapie schon länger eingesetzt. Die Antikörper machen Tumore sichtbar für die Zellen des körpereigenen Immunsystems und helfen dadurch, die Krebszellen anzugreifen und unschädlich zu machen. Doch nicht bei allen schlägt die Therapie an. Forscher haben jetzt einen Grund dafür gefunden: die Zusammensetzung der Darmflora.

Krebszellen die körpereigene Immunpolizei auf den Hals zu hetzen ist eine Idee, die Forscher schon länger verfolgen. Bei dieser Therapie werden die Krebszellen mit Antikörpern markiert, um sie für die Zellen des Immunsystems als fremd erkennbar zu machen. Doch die meisten Tumoren entziehen sich diesem Angriff, indem sie sich durch bestimmte Oberflächenmerkmale vor dem Immunsystem verstecken. So genannte Checkpoint Blocker, also spezifische Antikörper, können die Krebszellen zwar enttarnen, doch offenbar wirken sie nur, wenn auch die richtigen Mikroorganismen im Körper leben. Das haben Thomas Gajewski und seine Kollegen von der University of Chicago beobachtet, als sie Mäuse behandelten, die an Hautkrebs erkrankt waren.

„Wir haben zwei Gruppen von Mäusen untersucht, die unterschiedliche Bakteriengemeinschaften in ihrem Darm beherbergten. Während die eine Gruppe gut auf die Krebstherapie ansprach, wirkte sie bei der anderen kaum. Wir konnten diese Unterschiede allein auf die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft im Darm zurückführen. Denn als wir die Bakterien der einen Gruppe auf die andere transplantierten, kehrte sich der Effekt um.“

Diejenigen Mäuse, bei denen die Therapie zunächst nicht wirkte, sprachen also dank der Darmbakterien ihrer Artgenossen deutlich besser auf die Behandlung an. Später gelang es den Forschern sogar, einen besonders nützlichen Therapiehelfer unter den Mikroorganismen auszumachen: Sogenannte Bifidobakterien.
„Unsere Überlegung war dann, dass wir diese Keime als eine Art Medikament in der Krebstherapie nutzen können. Wir haben die Bifidobakterien daher denjenigen Mäusen verabreicht, die schlecht auf die Immuntherapie ansprachen. Und tatsächlich bewirkten die Mikroorganismen, dass die Tiere eine Immunreaktion gegen den Tumor entwickelten und sich der Krebs bei den meisten Mäusen zurück bildete.“

Wie die Bakterien dem Immunsystem dabei helfen, Krebszellen zu bekämpfen, ist weitgehend unklar. Doch Thomas Gajewski und seine Kollegen sind dem Mechanismus bereits auf der Spur.
„Der Gedanke ist fast schon verrückt, dass ein paar Bakterienstämme im Darm das gesamte Immunsystem beeinflussen können. Wir wissen aber, dass so genannte dendritische Zellen durch Darmbakterien aktiviert werden. Diese dendritischen Zellen setzen die Abwehr des Immunsystems gegen Krankheitserreger, aber auch gegen Krebszellen in Gang. Und wir sehen, dass diese Abwehrzellen während der Immuntherapie gegen Krebs besonders aktiv sind.“

Ob Bakterien auch das menschliche Immunsystem aktivieren und dabei helfen, Krebszellen unschädlich zu machen, ist bisher nicht bewiesen. Doch es gibt Studien die zeigen, dass menschliche Darmbakterien in Mäusen ganz ähnliche Funktionen übernehmen. Thomas Gajewski vermutet daher, dass die Mikroben auch bei Krebspatienten dabei helfen, das Immunsystem scharf zu stellen.
„Wir hoffen, dass wir in den Bakteriengemeinschaften unserer Krebspatienten ähnliche Unterschiede finden. Dass Patienten, bei denen die Immuntherapie gut funktioniert, andere Mikroorganismen in ihrem Darm haben als Menschen, die nicht auf die Behandlung ansprechen. Langfristig könnten wir den Krebspatienten dann bestimmte Mikroorganismen verabreichen, um die Immuntherapie effektiver zu machen. Das ist unsere Hoffnung.“

Theoretisch wäre es auch denkbar, die Darmbakterien von Krebspatienten, bei denen die Immuntherapie gut funktioniert, auf andere zu übertragen. Solche Fäkaltransplantationen werden  bereits bei Menschen durchgeführt, die unter chronischem Durchfall leiden. Thomas Gajewski hält eine solche Therapie zwar für möglich, doch so lange nicht klar sei, welche Mikroorganismen bestimmte Funktionen im Körper übernehmen,  warnt er vor solchen Methoden.

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