Bestimmen Mikroorganismen was wir essen?

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Wie ich bereits in Artikel Nr. 14 beschrieben habe, ist es Forschern gelungen durch Transplantationen von Darm-Mikroorganismen, Verhaltensmerkmale von einem Mäusestamm auf einen anderen zu übertragen.
Übertragen auf den Menschen hieße das, dass man ängstliche in mutige Menschen verwandeln könnte, indem man ihnen das Darmmikrobiom eines selbstbewussten Draufgängers transplantiert und umgekehrt.
Mäuse überwinden ihre Ängste schon, wenn man ihnen probiotische Milchsäurebakterien verfüttert und auch bei unglücklichen Menschen soll dies die Stimmung merklich aufhellen.
Die an Mäusen gewonnenen Ergebnisse mahnen jedoch auch zur Vorsicht, weil  man bis heute nicht mit Sicherheit weiß, was bei einer Transplantation von Darmbakterien sonst noch übertragen wird.

Gleichzeitig sehen Forscher Möglichkeiten, derartige Mikrobentransfers auch bei anderen Krankheiten anzuwenden. Dazu gehören u.a. Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Morbus Crohn, Allergien, Adipositas, chronische Erschöpfungszustände und manche Formen von Autismus. Bei allen diesen Erkrankungen haben Studien ermutigende Ergebnisse geliefert, sodass es sich lohnt, in dieser Richtung weiter zu forschen.

Die Mikrobiota des Darms, wird von dem am Leben gehalten, was der Wirt zu sich nimmt. Deshalb ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese unser Essverhalten manipuliert.
Es stellt sich die Frage, ob es uns nach bestimmten Lebensmitteln verlangt, weil wir sie mögen, oder weil sie oder einzelne Bestandteile von ihnen von unseren Mikroorganismen benötigt werden.
Die Mikroorganismen im Darm verfügen jedenfalls über verschiedene Möglichkeiten um auf das Essverhalten ihres Wirtes einzuwirken.
Fehlt ausreichend Nahrung, können sie Toxine ausscheiden, die Unwohlsein, schlechte Stimmung oder Schmerzen hervorrufen.

So wurde bei Mäusen nachgewiesen, dass Mikroorganismen in der Lage sind dem Wirt bestimmte Bevorzugungen von Nahrungsmitteln „nahezulegen“ indem sie es schaffen, den Geschmackssinn zu verändern.
Dazu müssen Gene für bestimmte Geschmacksrezeptoren nur in ihrer Aktivität gebremst oder stimuliert werden. Für Mikroorganismen in der Regel kein großes Problem.
Jeder von uns kennt die seltsamen Gelüste, die wir manchmal nach Schokolade, Erdnüssen, Chips, sauren Gurken, fetten Speisen und ähnlichem empfinden.
Die meisten Menschen geben ihnen oft nach.
Einige lassen sich von ihnen beherrschen.
Angesichts der folgenden Überlegungen kann man sich klar machen, dass wir auch die Möglichkeit haben, uns vernunftbedingt zu entscheiden, auch wenn Essensgewohnheiten nur schwer zu verändern sind.

Algen kann nicht jeder verdauen. Nur Japaner die durchschnittlich 14 Gramm täglich davon essen, verfügen über Enzyme, die sie dazu befähigen.
Diese stammen von einem Bakterium namens „Bacteroides plebeius“, das man im Darm von Nicht-Japanern bisher nicht gefunden hat.
Dieses Enzym befähigt die Japaner, Kohlenhydrate zu verdauen, die in Sushi-Algen enthalten sind.
Ist es möglich, dass dieses Bakterium nun, da sein Gen Teil des japanischen Mikrobioms geworden ist, einen verstärkten Appetit auf Algen bewirkt?
Einige Forscher sind davon überzeugt und gehen davon aus, dass entsprechende Versuche mit Mikroorganismen die spezielle Nahrungsanforderungen haben, zu genau diesem Ergebnis führen würden.
Ein Darmbakterium, das neue Nahrungsquellen erschließt, wird seinen Wirt in dem Bestreben beeinflussen, diese Nahrung nun auch zu liefern.
Nimmt ein Wirt über längere Zeit eine bestimmte Nahrung zu sich, begünstigt er in seinem Darm die Vermehrung der Mikroorganismen, die auf diese Nahrung und ihre Bestandteile spezialisiert sind, denn Mikroorganismen wollen nur fressen und sich vermehren. Auf andere Nahrungsquellen auszuweichen, ist ihnen in der Regel nicht möglich.
In der Folge, so eine weitere Vorhersage von Forschern, werden diese Mikroorganismen versuchen, ihren Wirt zur Fortsetzung seines Essverhaltens zu bewegen, damit der Nachschub gesichert ist und damit ihre Vormachtstellung.

Leider sind die Interessen der Mikroorganismen und ihres Wirtes nicht identisch, im Gegenteil, beide wollen optimal versorgt werden und es ist unwahrscheinlich, dass ihre Bedürfnisse übereinstimmen.
Aus Sicht des Wirtes kann ein zu starkes Wachstum bestimmter Mikroorganismen dazu führen, dass andere Mikrobenarten des Ökosystems Darm daraufhin in den Hintergrund gedrängt werden.
Die natürliche Vielfalt eines gesunden Mikrobioms und damit eines gesunden Wirtes kann so geschädigt werden und beispielsweise zu übermäßiger Gewichtszunahme führen.
Diese Schädigung der Mikroflora kann fatalerweise auf andere übertragen werden.

Bei Untersuchungen von über 12000 Personen, die übergewichtige Freunde hatten, wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, stark übergewichtig zu werden um 51% höher lag, als bei anderen vergleichbaren Personen.
Noch stärker ist das Problem der übermäßigen Gewichtszunahme laut Studien bei Menschen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, in dem bereits ein oder mehrere Familienmitglieder übergewichtig sind. Die Mikrobiome dieser Menschen und auch die Krankheitsbilder ähneln sich wesentlich stärker, als die von Fremden.
Natürlich vermischen sich hier verschiedene Einflussfaktoren, aber es scheint erwiesen, dass neben sozialen Gründen auch mikrobiologische Phänomene eine entscheidende Rolle spielen.
Wenn Therapeuten diese enge Verbindung zwischen Darmmikrobiota und Gehirn bewusst gemacht wird, sind neue Therapieansätze möglich, durch die viele kranke Menschen und auch Tiere wieder in einen Zustand gelangen können, in dem der Körper reibungslos funktioniert.

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